Maut ist eine Straßennutzungsgebühr, die in vielen europäischen Ländern für Autobahnen und Schnellstraßen erhoben wird. Für Wohnmobile gelten dabei je nach Land unterschiedliche Systeme: Vignetten (Zeitbasiert), Streckenmaut (Kilometerbasiert) oder elektronische Erfassung. Entscheidend ist oft das zulässige Gesamtgewicht — Wohnmobile über 3,5 Tonnen zahlen in vielen Ländern deutlich mehr oder benötigen eigene Mautgeräte.
Auf einen Blick
- Vignetten-Länder: Österreich, Schweiz, Tschechien, Slowenien, Ungarn, Slowakei, Bulgarien, Rumänien
- Streckenmaut: Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien, Griechenland, Polen (Autobahn)
- Keine Autobahnmaut: Deutschland (auch über 3,5 t), Niederlande, Belgien (unter 3,5 t), Dänemark (aber Brückenmaut: Storebælt ca. 32 €, Øresund ca. 59 €)
- Wichtig: Ab 3,5 t zGG gelten in vielen Ländern LKW-Tarife oder eigene Mautgeräte (z. B. GO-Box in Österreich)
Wichtig für Wohnmobil-Fahrer: Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) entscheidet in vielen Ländern darüber, welche Mautklasse gilt. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen werden häufig in eine höhere Kategorie eingestuft — mit deutlich anderen Preisen und Systemen. Prüfe vor der Reise immer, welches Gewicht in deinem Fahrzeugschein eingetragen ist.
Vignetten-Länder: Vor der Reise kaufen
In einer Reihe europäischer Länder wird keine streckenbezogene Maut erhoben, sondern eine Zeitvignette. Diese berechtigt für den jeweiligen Zeitraum zur Nutzung des gesamten Autobahnnetzes. Die Vignette muss in der Regel vor oder spätestens beim Einfahren in das Mautgebiet erworben werden — an Tankstellen, online oder an der Grenze.
Österreich
In Österreich ist die Vignette für alle Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Pflicht auf Autobahnen und Schnellstraßen. Ab 3,5 Tonnen gilt nicht die Vignette, sondern das streckenbezogene GO-Mautsystem der ASFINAG (elektronische Achslastmaut).
Achtung: Maßgeblich ist die „technisch zulässige Gesamtmasse" (Feld F.1 im Fahrzeugschein), NICHT das zulässige Gesamtgewicht (F.2). Fahrzeuge mit F.1 > 3,5t benötigen zwingend die GO-Box — auch wenn sie auf 3,5t abgelastet sind.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t) |
|---|---|
| 1 Tag | 8,60 € |
| 10 Tage | 11,50 € |
Quelle: ASFINAG — Maut & Vignette
Schweiz
Die Schweiz verlangt für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen eine Jahresvignette — eine kürzere Laufzeit gibt es nicht. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen unterliegen der Pauschalen Schwerverkehrsabgabe (PSVA), einem tages- oder monatsweisen Pauschaltarif für private Wohnmobile.
| Fahrzeugklasse | Preis | Gültig |
|---|---|---|
| Bis 3,5t — Jahresvignette | 40 CHF (~42 €) | Jahresvignette (Kj.) |
| Über 3,5t — PSVA | Ab 3,25 CHF/Tag | Via App oder Grenzübergang |
Quelle: e-vignette.ch — Offizielle Schweizer Vignette
Schweiz — Tagesvignette gibt es nicht: Wer nur einen Tag durch die Schweiz fährt, zahlt trotzdem 40 CHF für die Jahresvignette. Eine Tageskarte existiert nicht. Die Vignette ist auf der Windschutzscheibe anzubringen — ein Foto genügt nicht.
Tschechien
Tschechien hat sein Mautsystem auf elektronische Vignetten umgestellt. Das Kennzeichen wird registriert — keine Klebevignette mehr. Erhältlich online, an Tankstellen und an der Grenze. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen nutzen das elektronische Mautsystem.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t) |
|---|---|
| 1 Tag | 9,20 € |
| 10 Tage | 12,00 € |
| 30 Tage | 19,20 € |
| Jahresvignette | ca. 102,80 € (2.570 CZK) |
Quelle: edalnice.cz — Offizielle tschechische Maut
Slowakei
Ähnlich wie Tschechien: elektronische Vignette, Kennzeichen wird registriert. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen benötigen statt der Vignette das elektronische Mautsystem eZnamka-HGV.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t) |
|---|---|
| 1 Tag | 5,40 € |
| 10 Tage | 12,00 € |
| 30 Tage | 17,00 € |
| 365-Tage-Vignette | 60,00 € |
Quelle: eznamka.sk — Offizielle slowakische Maut
Hinweis: Die 365-Tage-Vignette gilt ab Kaufdatum für 365 Tage — nicht nur für das Kalenderjahr.
Slowenien
Slowenien nutzt E-Vignetten für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Wichtig: Wohnmobile über 3,5 Tonnen fallen unter das System DarsGo, ein elektronisches Streckenmautsystem.
Achtung — Kategorie 2A oder 2B? Die meisten Wohnmobile fallen in Kategorie 2B und zahlen doppelt so viel wie ein PKW (Kategorie 2A). Entscheidend ist die Höhe des Fahrzeugs an der Vorderachse: PKW haben dort eine flache Motorhaube (unter 1,3m), Wohnmobile und Kastenwagen sind deutlich höher (über 1,3m).
| Gültigkeitsdauer | Kat. 2A (Fahrzeughöhe an Vorderachse ≤ 1,3m) | Kat. 2B (Fahrzeughöhe an Vorderachse > 1,3m) |
|---|---|---|
| 7 Tage | 16,00 € | 32,00 € |
| 1 Monat | 32,00 € | 64,10 € |
| Über 3,5t — DarsGo | Streckenabhängig | |
Quelle: evinjeta.dars.si — Offizielle slowenische E-Vignette
Bulgarien
In Bulgarien gilt das E-Vignettensystem, das Kennzeichen wird digital erfasst. Der Preis richtet sich nach der Gültigkeitsdauer. Erhältlich online, an der Grenze und in vielen Tankstellen.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t) |
|---|---|
| Wochenende | 5,00 € |
| 7 Tage | 7,00 € |
| 1 Monat | 14,00 € |
| 1 Jahr | ca. 45 € (87 BGN) |
Quelle: bgtoll.bg — Offizielle bulgarische Maut
Rumänien
Rumänien verlangt die Rovinieta, eine elektronische Vignette. Die Preise sind im europäischen Vergleich sehr günstig. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen unterliegen einer gesonderten Gewichtsklasseneinteilung mit höheren Tarifen.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t) |
|---|---|
| 1 Tag | 2,50 € |
| 10 Tage | 3,30 € |
| 30 Tage | 5,30 € |
| 60 Tage | 8,40 € |
| 12 Monate | 28,00 € |
Quelle: erovinieta.ro — Offizielle rumänische Rovinieta
Ungarn
Ungarn hat auf elektronische Vignetten umgestellt (E-Matrica). Seit Januar 2024 fallen alle Wohnmobile — unabhängig vom Gewicht — in das E-Matrica-System und sind vom streckenabhängigen HU-GO-System für LKW befreit. Wohnmobile über 3,5t nutzen Kategorie D2.
| Gültigkeitsdauer | Preis (bis 3,5t, Kat. D1) |
|---|---|
| 1 Tag | 13,50 € |
| 10 Tage | 17,00 € |
| 1 Monat | 27,00 € |
Quelle: nemzetiutdij.hu — Offizielle ungarische Maut
Streckenmaut-Länder: Bezahlung unterwegs
In diesen Ländern wird die Maut pro gefahrenem Abschnitt erhoben — entweder an Mautschranken (Péage/Pedaggio/Toll) oder elektronisch. Eine Vorab-Vignette genügt nicht.
Frankreich
Fast alle Autobahnen in Frankreich sind mautpflichtig (Péage). Die Maut wird an Schranken bar, per Karte oder mit Transponder (Liber-t) bezahlt. Für Wohnmobile über 3,5 Tonnen gilt eine höhere Gebührenklasse, die nach Fahrzeughöhe und Gewicht gestaffelt ist — in der Regel Klasse 3 oder 4.
Konkrete Streckenpreise variieren stark je nach Betreiber und Abschnitt. Als Anhaltspunkt: Paris–Lyon (ca. 460 km) kostet für ein Wohnmobil bis 3,5t etwa 35 €, für ein schwereres Fahrzeug entsprechend mehr.
Quelle: autoroutes.fr — Aktuelle Mautpreise Frankreich
Italien
Italien erhebt Streckenmaut (Pedaggio) auf nahezu allen Autobahnen. Die Einstufung erfolgt nach Fahrzeugklasse, die sich nach Anzahl der Achsen und Fahrzeughöhe richtet. Wohnmobile über 3,5 Tonnen werden je nach Achsabstand häufig in Klasse 3 oder 4 eingestuft — mit deutlich höheren Tarifen als ein PKW.
Bezahlung: bar, Karte oder Telepass. Mit einem Telepass-Transponder (erhältlich an Autobahnraststätten) können Mautstationen ohne Anhalten passiert werden.
Quelle: autostrade.it — Mautpreise Italien
Kroatien
Kroatien erhebt auf den meisten Autobahnen Streckenmaut. Wohnmobile werden nach Achsanzahl und Gewicht in Kategorien eingeteilt (Kategorie III bis IV für Fahrzeuge über 3,5t). An Mautstationen kann bar oder per Karte gezahlt werden. Alternativ: ETC-Transponder für elektronische Spuren.
Quelle: bina-istra.com — Mautpreise Kroatien
Polen
In Polen sind einige Autobahnabschnitte (A1, A2, A4) mautpflichtig, betrieben von privaten Konzessionären. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen das elektronische System e-TOLL nutzen, das über eine App oder ein OBU-Gerät (On-Board Unit) abgewickelt wird. Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen gibt es an Mautschranken auch Bargeld- und Kartenzahlung.
Quelle: etoll.gov.pl — e-TOLL Polen
Deutschland
Deutschland erhebt für Wohnmobile keine Maut — weder für Fahrzeuge unter noch über 3,5 Tonnen. Die LKW-Maut (BALM) gilt ausschließlich für gewerbliche Güterkraftfahrzeuge und nicht für Wohnmobile, auch wenn diese über 3,5 Tonnen wiegen.
Quelle: BALM — Mautbefreiung für Wohnmobile
Brücken und Tunnel mit Sondermaut
Einige bedeutende Brücken- und Tunnelverbindungen in Europa haben eigene Mautsysteme, die unabhängig von nationalen Vignetten oder Streckenmauten gelten.
Storebælt-Brücke (Dänemark)
Die Storebælt-Brücke verbindet Seeland und Fünen in Dänemark und ist für alle Fahrzeuge mautpflichtig. Die Höhe des Tarifs richtet sich nach der Fahrzeuglänge.
| Fahrzeuglänge | Einzelfahrt |
|---|---|
| Bis 6 m (PKW/kleines Wohnmobil) | ca. 32 € |
| Über 6 m (größere Wohnmobile) | ca. 42 € |
Quelle: storebaelt.dk — Aktuelle Tarife Storebælt
Øresundbrücke (Dänemark/Schweden)
Die Øresundbrücke verbindet Kopenhagen (DK) mit Malmö (SE). Auch hier richtet sich der Tarif nach der Fahrzeuglänge. Das Wohnmobil wird an der Mautschranke vermessen.
| Fahrzeuglänge | Einzelfahrt |
|---|---|
| Bis 6 m | ca. 59 € |
| Über 6 m | höhere Klasse, s. Website |
Quelle: oresundsbron.com — Aktuelle Tarife Øresund
Karawankentunnel (Slowenien/Österreich)
Der Karawankentunnel auf der A11 verbindet Österreich und Slowenien und ist gesondert mautpflichtig — zusätzlich zu einer eventuell benötigten Vignette. Die Maut wird an der Mautschranke am Tunnel erhoben. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen werden in eine höhere Gebührenklasse eingestuft.
Als Richtwert: PKW (bis 3,5t) zahlen 8,20 € je Richtung (2025); voraussichtlich 9,00 € ab 2026. Wohnmobile über 3,5t werden in eine höhere Gebührenklasse eingestuft. Die aktuellen Tarife werden von ASFINAG und DARS veröffentlicht.
Quelle: ASFINAG — Tunnelmaut Karawanken
Sonderregeln für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen
Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) des Wohnmobils ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Mautfragen. Viele Regelungen unterscheiden hart zwischen Fahrzeugen bis und über 3,5 Tonnen:
- Österreich: Ab 3,5t gilt das GO-Mautsystem (ASFINAG) statt der Vignette — elektronische Erfassung über eine GO-Box. Die GO-Box muss vor Einfahrt ins Mautnetz bestellt werden.
- Schweiz: Ab 3,5t gilt die PSVA (Pauschale Schwerverkehrsabgabe), keine Jahresvignette. Die Abgabe ist ein tages- oder monatsweiser Pauschaltarif, zahlbar über die App „Via" oder an Grenzübergängen.
- Slowenien: Ab 3,5t gilt DarsGo statt der E-Vignette. DarsGo-Transponder müssen im Voraus registriert werden.
- Frankreich/Italien: Höhere Mautklasse, teilweise nach Fahrzeughöhe gestaffelt. Viele Mautschranken haben gesonderte Spuren für höhere Fahrzeuge.
- Polen: Über 3,5t ist das e-TOLL-System Pflicht — keine Bargeldoption an Schranken für diese Fahrzeugklasse.
- Kroatien: Kategorie III/IV statt Kategorie I — deutlich höhere Tarife.
Wichtig bei Campervans und kleinen Wohnmobilen: Auch wenn das Fahrzeug im Alltag wie ein PKW wirkt — das im Fahrzeugschein eingetragene zGG entscheidet über die Mautklasse. Ein Wohnmobil mit zGG 3.500 kg zählt rechtlich nicht als über 3,5t. Ein zGG von 3.501 kg dagegen schon.
Praktische Tipps: Zahlung, Transponder und Vorbereitung
Zahlungsmethoden
An den meisten Mautschranken in Südeuropa (Frankreich, Italien, Kroatien) ist Kartenzahlung inzwischen Standard. Dennoch: Etwas Bargeld in der Landeswährung mitzunehmen ist nie verkehrt — besonders bei Tunnel-Sondermaut oder kleineren Mautstationen abseits der großen Autobahnen.
Transponder: Telepass, Via-T und AutoPASS
Wer regelmäßig durch Südeuropa fährt, profitiert von einem Transponder:
- Telepass: Akzeptiert in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und weiteren Ländern. Schnellere Abwicklung ohne Anhalten, oft mit Preisvorteilen auf bestimmten Abschnitten. Erhältlich über telepass.com oder vor Ort an Mautstationen.
- Via-T: Speziell für Portugal entwickelt, aber auch für einige spanische Strecken nutzbar.
- AutoPASS: Für Norwegen — dort gilt Streckenmaut auf vielen Nationalstraßen, auch ohne Autobahn.
- GO-Box (Österreich): Pflicht für Fahrzeuge über 3,5t. Kann online bei ASFINAG bestellt werden.
Vor der Reise
- Fahrzeugschein prüfen: zGG, Achsanzahl und Fahrzeuglänge notieren — diese Angaben braucht man an vielen Mautstellen.
- Vignetten für alle Transitländer vorab kaufen — online ist es oft günstiger und spart Zeit an der Grenze.
- Bei längeren Reisen durch mehrere Länder: Mautkosten in die Reisekasse einplanen. Für eine Fahrt Hamburg–Sizilien können allein die Mautgebühren 100–200 € betragen.
- Für Fahrzeuge über 3,5t: Transponder und Systeme (GO-Box, DarsGo, e-TOLL) im Voraus registrieren — manche versenden auf Postweg und benötigen mehrere Tage Vorlaufzeit.
Spanien und Portugal
Beide Länder erheben Streckenmaut auf vielen Autobahnen. Portugal hat in den letzten Jahren auf rein elektronische Maut (ohne Schranken) umgestellt — wer ohne Transponder unterwegs ist, muss die Maut nachträglich online bezahlen oder ein Gerät leihen. Nähere Informationen bei den jeweiligen nationalen Mautbetreibern.
Griechenland und Türkei
Griechenland hat Streckenmaut auf dem Autobahnnetz (z. B. Attika-Autobahn, E65). Die Türkei erhebt auf dem modernisierten Autobahnnetz HGS-Maut (Hızlı Geçiş Sistemi), die über einen Transponder oder nachträgliche Bezahlung abgewickelt wird. Für Gelegenheitsfahrer ist das Zahlen an der Schranke (bar oder Karte) die einfachste Option.
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Kostenlos im App Store ladenHinweis: Alle Mautpreise und Regelungen basieren auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung geltenden offiziellen Quellen und sind jeweils direkt verlinkt. Mautsysteme und -tarife können sich ändern — bitte prüfe vor der Reise immer die aktuellen Angaben der jeweiligen nationalen Mautbehörde. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben.